Die Frage klingt nach einer Kostenrechnung — eine SMS kostet Cent, ein Anruf kostet Minuten. Doch die Kanäle leisten Unterschiedliches, und wer sie gegeneinander stellt, vergleicht die falschen Dinge.
E-Mail und SMS sind Benachrichtigungen
Eine schriftliche Erinnerung erledigt genau eine Aufgabe: Sie bringt eine vergessene Rechnung zurück ins Bewusstsein. Für den größten Teil der offenen Posten reicht das vollkommen. Die meisten Menschen zahlen nicht deshalb nicht, weil sie nicht wollen, sondern weil die Rechnung untergegangen ist.
Schriftliche Kanäle sind zudem beliebig skalierbar und asynchron: Der Kunde reagiert, wenn es ihm passt.
Ihre Grenze ist ebenso klar. Eine SMS kann keine Rückfrage beantworten, keinen Einwand entkräften und keine Ratenzahlung vereinbaren. Sie kann nur senden — und dann warten.
Ein Anruf ist eine Verhandlung
Am Telefon passiert etwas, das schriftlich nicht möglich ist: Der Kunde sagt, warum nicht gezahlt wurde. Vielleicht ist die Rechnung strittig. Vielleicht kam eine Gehaltszahlung später. Vielleicht ist die Ware nie angekommen.
Jeder dieser Fälle braucht eine andere Reaktion, und alle drei sind unsichtbar, solange nur geschrieben wird. Der Anruf ist außerdem der einzige Kanal, in dem eine Zahlungszusage entsteht — ein konkretes Datum, zu dem sich der Kunde hörbar verpflichtet.
Der Vorteil verschiebt sich mit der Zeit
Nach drei Tagen Verzug ist eine Rechnung meist einfach vergessen; die SMS erledigt das. Nach 65 Tagen ist Vergessen selten die Erklärung. Dann liegt ein Grund vor — und Gründe klärt man im Gespräch.
Die Kostenkurve folgt derselben Logik. In Sono-Programmen kostet eine Zahlungszusage nach 3 Verzugstagen rund 2,08 €, nach 65 Tagen 5,02 €. Frühe Kontakte sind billiger, weil sie leichter zum Ziel führen — nicht, weil der Anruf technisch günstiger wäre.
Die Reihenfolge, die funktioniert
- Kurz nach Fälligkeit: E-Mail oder SMS mit Betrag, Fälligkeitsdatum und Zahlungsweg. Billig, unaufdringlich, räumt den Großteil ab.
- Wenn keine Zahlung folgt: Anruf. Betrag und Verzugsdauer nennen, Einwände klären, ein Datum vereinbaren.
- Direkt nach dem Anruf: SMS mit IBAN, Verwendungszweck und Betrag — solange das Gespräch noch präsent ist.
- Am zugesagten Tag: kurze Erinnerung, falls die Zahlung ausbleibt.
Der dritte Schritt wird am häufigsten übersehen und ist der wichtigste. Eine mündliche Zusage ohne unmittelbaren Zahlungsweg verliert jeden Tag an Wert.
Was in jedem Kanal gelten muss
Unabhängig vom Kanal gilt: Der Absender muss eindeutig erkennbar sein, die Datenverarbeitung muss der DSGVO entsprechen, und es muss einen Weg zu einem Menschen geben. Sobald jemand die Forderung bestreitet oder von Zahlungsschwierigkeiten spricht, gehört der Fall in menschliche Hände — nicht in die nächste automatische Erinnerung.
Setzt man den Anrufschritt automatisiert um, lässt sich die gesamte Liste in diesem Rhythmus abarbeiten, statt nur die größten Posten. Wie das aussieht, zeigt die Seite zu Inkasso-Anrufen.